Die Herbstzeit benötigen wir zur Gruppenfindung, so beginnen die Projektarbeiten für die Vorschulkinder, das sind die Kinder, die im darauffolgenden Herbst in die Schule kommen, nach den Weihnachtsferien.

Als erstes bearbeiten die Kinder Holz: sie erstellen einen Webrahmen:

Die Kinder sägen von einem Holzbrett die Ecken ab und schleifen die Schnittstellen glatt. Nachdem sie das Holz mit Öl eingelassen haben,  schlagen sie die Nägel ein. Dann bespannen die Kinder den Webrahmen und beginnen zu weben. Voller Eifer fertigen die Kinder ein Webstück an und nähen anschließend eine Umhängetasche daraus. Diese Arbeit erfordert viel Geduld und Ausdauer über einen längeren Zeitraum hinweg. Diese Fähigkeiten werden dann täglich in der Schule gefordert.

Das zweite Werkstück ist ein Steckenpferd:

Die Kinder stopfen einen großen getrickten Wollsocken mit Schafwolle aus und binden ihn an einen langen Stecken. Anschließend knüpfen sie eine Mähne aus Wollsträhnen auf den Pferdekopf. Die Augen und Ohren aus Filz werden aufgenäht. Das Zaumzeug drehen oder flechten die Kinder selbst. Als Krönung bekommt dann jedes Pferd zwei Schellen ans Zaumzeug genäht und schon gallopieren die Kinder hinaus in den Garten.

Nach Ostern wandern die Vorschulkinder einmal in der Woche in den Wald:

Bei jedem Wetter erforschen und entdecken die Kinder die belebte und unbelebte Natur. Steine, Erde, Pflanzen und Tierwelt verändern sich im Laufe des Frühlings in erstaunlichem Maße und oft sind es die kleinen und unscheinbaren Dinge, die die Kinder besonders faszinieren. Besonderen Erzählstoff liefern Krebse, Feuersalamander und Schmetterlinge. Manchmal finden wir auch ein Vogelnest mit Eiern, dessen Entwicklung wir mit besonderer Achtung und Respekt vor dem werdenen Leben beobachten.

Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und eine besondere Anregung aller Sinne, die auf natürliche Weise angesprochen werden, kann man während dieser Zeit bei den Kindern beobachten.

Gegen Ende des Schuljahres haben die Kinder die Möglichkeit in der Freien Waldorfschule zu schnuppern und am Unterricht teilzunehmen.

Das Waldprojekt

Seit 14 Jahren ziehe ich ab Ostern jeden Freitag mit den Vorschulkindern meine Runde durch den Morsbacher Wald. Selbst Regenwetter kann uns nicht abhalten, im Gegenteil: da gehen wir besonders gern, denn da treffen wir die großen Feuersalamander!

Viele kleine Bäche säumen unsere Wege. Darin leben die jungen Feuersalamander, die ab und zu unsere Hilfe benötigen, wenn der Bach im Frühling austrocknet. Dann heißt es die kleinen Kerle retten und in einen sicheren Bachabschnitt übersiedeln. Auch Krebse können wir beobachten, manch Mutige halten die Scherenritter und ab und zu lässt sich wer freiwillig in den Finger zwicken. Viele Pflanzen schauen wir uns an und ab und zu finden wir eine Hand voll köstlicher Walderdbeeren. Wir lesen Spuren aller Art, balancieren, überqueren Bäche, forschen und staunen!

Wer diese Abenteuer so mutig miterlebt hat, kann im Herbst bestimmt schon in die Schule gehen!

Gabi Markl, Waldorfkindergärtnerin und Natopia Führerin